Wer auf der Traun paddelt, gleitet durch eine der letzten intakten Aulandschaften Oberösterreichs. Links und rechts des Flusses erstreckt sich ein grünes Band aus Weiden, Erlen und Eschen -- der Auwald. Dieses Ökosystem ist weit mehr als eine hübsche Kulisse: Es ist Lebensraum, Hochwasserschutz und Klimaanlage in einem.

Was ist ein Auwald?

Ein Auwald -- auch Flussauenwald oder Ufergehölz genannt -- ist ein Waldtyp, der regelmäßig von Hochwasser überflutet wird. Er bildet den natürlichen Übergang zwischen dem Flussbett und dem trockenen Hinterland. In Mitteleuropa gehören Auwälder zu den artenreichsten und zugleich seltensten Lebensräumen überhaupt.

An der Unteren Traun zwischen Lambach und der Mündung in die Donau finden sich noch zusammenhängende Auwaldbestände, die als Teil des Natura 2000 Schutzgebiets unter europäischem Schutz stehen. Was diesen Flussabschnitt besonders macht: Die Traun hat hier noch eine relativ natürliche Fließdynamik, die den Auwald am Leben erhält.

Baumarten und Vegetation

Der Auwald an der Traun besteht aus mehreren Zonen, die je nach Abstand zum Wasser und Überflutungshäufigkeit unterschiedliche Baumarten beherbergen.

Direkt am Ufer dominieren Weiden -- besonders die Silberweide und die Purpurweide. Ihre biegsamen Äste und tiefen Wurzeln machen sie zu perfekten Pionierbäumen, die auch starke Strömung und Eisgang überstehen. Wenige Meter landeinwärts folgen Schwarzerlen und Eschen, die den feuchten Boden bevorzugen und mit ihren dichten Kronen für ein kühles Mikroklima sorgen.

In der höher gelegenen Hartholzaue wachsen Stieleichen, Feldulmen und Bergahorne. Diese Bäume werden nur bei größeren Hochwassern überschwemmt und bilden den stabilsten Teil des Auwalds. Am Waldboden gedeihen im Frühling Bärlauch, Buschwindröschen und Scharbockskraut -- ein weißer und gelber Blütenteppich, der den Wald im April in ein Blumenmeer verwandelt.

Lebensraum für Tiere

Der Auwald ist ein Korridor des Lebens. Vom Wasser paddeln Gäste bei TraunXperience direkt an diesem Habitat vorbei -- und wer leise unterwegs ist, wird belohnt.

Der Eisvogel ist das Wappentier des Traun-Auwalds. Er brütet in Steilufern entlang des Flusses und jagt kleine Fische im pfeilschnellen Sturzflug. Sein leuchtend türkisfarbenes Gefieder macht jede Sichtung zu einem unvergesslichen Moment. Ebenfalls präsent: der Biber. Seine Fraßspuren an Weidenstämmen und die charakteristischen Biberrutschen am Ufer sind vom Boot aus gut zu erkennen.

In den Baumkronen nisten Pirole mit ihrem exotisch klingenden Gesang, während am Boden Ringelnattern durch das Laub gleiten. Abends kommen Fledermäuse aus den Baumhöhlen und jagen Insekten über dem Wasser. Die Dämmerungsstunden sind die beste Zeit, um diese Vielfalt zu erleben.

Hochwasser: Motor des Ökosystems

Was auf den ersten Blick zerstörerisch wirkt, ist für den Auwald überlebenswichtig: regelmäßige Überflutungen. Sie bringen nährstoffreichen Schlamm, der den Boden fruchtbar macht. Sie schaffen neue Kiesbänke, Tümpel und Totholzstrukturen, die als Kinderstube für Fische und Amphibien dienen.

Ohne Hochwasser würde der Auwald langsam austrocknen und sich in einen gewöhnlichen Mischwald verwandeln. Die dynamische Verbindung von Wasser und Land ist das, was diesen Lebensraum so einzigartig produktiv macht. An der Traun ist diese Dynamik durch die relativ naturnahe Fließstrecke zwischen Lambach und der Donaumündung noch erhalten -- ein Glücksfall für die Artenvielfalt.

Bedrohung und Schutz im Natura 2000 Gebiet

Über 90 Prozent der ursprünglichen Auwälder in Mitteleuropa sind bereits verloren gegangen -- durch Flussbegradigungen, Staudämme, landwirtschaftliche Nutzung und Verbauung. Was an der Unteren Traun noch existiert, ist deshalb von unschätzbarem Wert.

Das Natura 2000 Netzwerk der Europäischen Union schützt diesen Lebensraum mit klaren Regeln: Keine Rodung der Ufervegetation, Schutz der Brutplätze, Beschränkung von Pestiziden im Einzugsgebiet. Als Paddler tragen wir Verantwortung, indem wir Abstand zu sensiblen Bereichen halten, keinen Müll hinterlassen und den Auwald als das behandeln, was er ist -- ein lebendiges Naturerbe.

TraunXperience setzt bewusst auf lautlosen Slow Tourism. Unsere Boote haben keinen Motor, unsere Gruppen sind klein, und unsere Guides vermitteln das Wissen über den Auwald direkt vor Ort. So wird jede Tour zu einer Lektion in Ökologie -- ganz ohne Hörsaal.