Der Sommer 2026 geht in die Geschichtsbücher ein: der wärmste seit Messbeginn, dazu monatelang viel zu wenig Regen. Bäche fielen trocken, Flüsse sanken auf historische Tiefstände. Und mittendrin die Traun bei Lambach – die einfach weiterfloss, als wäre nichts. Warum das kein Zufall ist, und warum es bei uns am Wasser (fast) immer geht.

Ein Sommer, wie ihn Österreich noch nie gemessen hat

Schon im Frühling war klar, dass dieses Jahr anders wird. Im Mai meldete das Land Oberösterreich die ersten trockengefallenen Gewässer, etwa den Hainbach im Mattigtal. Die Vöckla führte laut WWF zeitweise fast 90 Prozent weniger Wasser als im langjährigen Schnitt. Dann kam der Sommer: laut GeoSphere Austria der heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen, mit rund einem Drittel weniger Regen als üblich. In Oberösterreich lag er fast drei Grad über dem Mittel.

Die Folgen waren überall zu sehen. Die Gusen im Mühlviertel war über Wochen kaum mehr als ein Rinnsal, an vielen Bächen lagen die Steine trocken in der Sonne, und knapp neun von zehn Grundwasser-Messstellen zeigten niedrige oder sehr niedrige Stände. Paddler in ganz Österreich haben ihre Boote im Keller gelassen, weil schlicht kein Wasser da war.

Das ist kein Ausreißer mehr, sondern ein Muster. Der Klimawandel macht trockene, heiße Sommer häufiger und extremer – das sagen Fachleute seit Jahren, und 2026 hat es jeder am eigenen Gartenschlauch gespürt.

Und die Traun? Mindestens 12 m³ pro Sekunde

Während anderswo die Pegel ins Bodenlose fielen, haben wir auf unserer Strecke zwischen Traunfall, Kemating und Lambach etwas Erstaunliches beobachtet: Die Traun ist auch an den trockensten Tagen dieses Sommers nie unter rund 12 Kubikmeter pro Sekunde gefallen.

12 m³/s

Das ist kein Zufall: Der Kraftwerksbetreiber Energie AG ist verpflichtet, mindestens 12 m³ Wasser pro Sekunde durchzulassen. Sprich: Bei uns geht es immer gut zu paddeln.

Zum Vorstellen: 12 m³ sind 12.000 Liter – jede Sekunde. Das ist eine volle Badewanne, achtzigmal pro Sekunde. Genug Wasser, um mit dem Raft durch die Traunschlucht zu gleiten, mit dem SUP über die Kiesbänke zu ziehen und an der Badepause bis zum Bauch im kühlen, klaren Wasser zu stehen.

Warum gerade die Traun? Drei Gründe aus den Bergen

1. Die Seen als riesige Speicher. Die Traun ist kein Fluss, der nur vom Regen der letzten Woche lebt. Bevor sie zu uns kommt, fließt sie durch den Hallstätter See und den Traunsee. Diese Seen wirken wie gewaltige Ausgleichsbecken: Sie sammeln Wasser in nassen Zeiten und geben es gleichmäßig wieder ab, wenn es trocken wird.

2. Das Karstgebirge als Schwamm. Das Einzugsgebiet der Traun reicht bis ins Dachsteinmassiv und ins Tote Gebirge. Dieser Kalkstein ist von Höhlen und Klüften durchzogen und saugt Regen und Schmelzwasser auf wie ein Schwamm. Über Quellen gibt das Gebirge sein Wasser über Wochen und Monate langsam wieder ab – genau dann, wenn es anderswo längst versiegt ist.

3. Ein großes Einzugsgebiet. Fast das ganze Salzkammergut entwässert über die Traun. Wenn es irgendwo zwischen Bad Aussee und Gmunden regnet, kommt es früher oder später bei uns an. Kleine Bäche im Flachland haben diesen Rückhalt nicht – darum fallen sie als Erste trocken.

Sind die Kraftwerke schuld?

Immer wieder hören wir, die Energie AG und ihre vielen Wasserkraftwerke seien schuld an den niedrigen Pegeln. Das klingt naheliegend – stimmt aber nicht.

Mythos Die Kraftwerke nehmen dem Fluss das Wasser.

Ein Wasserkraftwerk verbraucht kein Wasser: Es nutzt nur das Gefälle – was oben ankommt, fließt unten weiter.

Fakt Klimawandel & fehlende Schneeschmelze

Schneearme Winter, kaum Schmelzwasser im Frühjahr, dazu Hitze und zu wenig Regen: Weniger Schnee in den Bergen heißt weniger Wasser im Tal.

Wissen

Gut zu wissen: Niedrigwasser trifft auch die Kraftwerke

Wer glaubt, Kraftwerke hätten etwas von wenig Wasser, irrt: Niedrigwasser ist für die Betreiber selbst ein handfestes Problem.

Weniger Wasser, weniger Strom

Laufkraftwerke können kaum Wasser speichern. Im Sommer 2026 lag die Wasserkraft beim Verbund rund 30 % unter dem Schnitt, viele Kleinkraftwerke mussten drosseln oder ganz abschalten. Der Grund laut Verbund: Es fällt immer weniger Schnee.

Muscheln mögen’s ruhig und warm

Die eingeschleppte Quagga-Muschel ist seit etwa 2020 im Traunsee und seit 2022 in der Traun nachgewiesen. Ruhiges, warmes Wasser kommt ihr entgegen. Sie wächst Rohre, Filter und Wassereinläufe zu – ein teures Problem für Wasserversorger und Kraftwerke.

Was du als Paddler tun kannst

Die Larven reisen an Booten und Ausrüstung mit. Bevor du woanders paddelst: alles gründlich reinigen, am besten mit heißem Wasser (mind. 45 °C), und mindestens vier Tage trocknen lassen. Und: Die scharfen Schalen können schneiden – Badeschuhe helfen.

Quellen: Land Oberösterreich – Quagga-Muschel · APA, 30.07.2026 – Niedrigwasser stoppt Kraftwerke

Danke

Danke, Energie AG!

Die Energie AG ist für TraunXperience ein wichtiger Partner. Wir sind sehr froh über ihre Expertise und ihre Unterstützung, die uns den Zugang zum Wasser ermöglicht – dafür einmal ganz offiziell: Danke!

Kein Grund zur Sorglosigkeit

So schön es ist, einen verlässlichen Fluss vor der Haustür zu haben: Auch die Traun ist nicht unverwundbar. Die Gletscher am Dachstein schrumpfen, und heiße Sommer wärmen das Wasser auf – das ist Stress für Fische und alles, was im Fluss lebt. Gerade im Natura 2000 Schutzgebiet heißt das für uns: Rücksicht nehmen, Ruhezonen respektieren, nichts zurücklassen. Mehr dazu, was dieses Schutzgebiet ausmacht, liest du in Natura 2000 einfach erklärt und im Beitrag über den Auwald der Traun.

Der Trockensommer 2026 zeigt aber auch, wie wertvoll intakte Natur ist: Seen, Karst und Auwälder, die Wasser speichern statt es nur durchzuleiten. Sie sind unsere beste Versicherung für die Sommer, die noch kommen.

Was das für deine Tour heißt: Hier geht's immer

Für dich heißt das ganz praktisch: Wenn anderswo die Flüsse leer sind, ist die Traun bei Lambach eine sichere Bank. Bei niedrigerem Wasser ist der Fluss ruhiger, das Wasser besonders klar, und die Kiesbänke werden zu großen, sonnigen Pausenplätzen. Unsere Guides kennen die Linie bei jedem Pegel – auch das ist Teil unserer Strecke.

Den aktuellen Wasserstand siehst du jederzeit auf unserer Startseite, die Messdaten kommen direkt vom Hydrographischen Dienst des Landes. Und wenn du wissen willst, warum das Paddeln an der Traun der Fahrt ins Ausland in nichts nachsteht: Traun statt Moldau.

Also: Wenn der nächste Hitzesommer kommt – und er kommt – weißt du, wo das Wasser ist.